Editorial Design: Broschüren und Kataloge, die gelesen werden
Eine Broschüre hat ein paar Sekunden, bevor sie weggelegt wird. Ob sie gelesen wird, entscheidet weniger der Inhalt als die Frage, ob man sich darin sofort zurechtfindet. Genau darum geht es beim Editorial Design.
16.10.2026 · 4 Min. Lesezeit
Kurz gesagt: Editorial Design ist die Gestaltung mehrseitiger Drucksachen wie Broschüren, Kataloge und Magazine. Ob sie gelesen werden, hängt an wenigen Dingen: einem klaren Raster, einer eindeutigen Hierarchie von Überschrift bis Bildtext, genug Weißraum, einer einheitlichen Bildsprache und einem Aufbau, der den Leser führt. Bindung, Umfang und Papier sollten früh feststehen, weil sie das Layout mitbestimmen.
Editorial Design ist ein Teilgebiet des Grafikdesigns, mehr zum Gesamtbild im Artikel Grafikdesign vom Profi. Stand: Oktober 2026.
Warum Broschüren weggelegt werden
Die meisten Broschüren scheitern nicht am Inhalt, sondern an der Form: Seiten voller Text ohne Einstieg, Bilder ohne Zusammenhang, jede Doppelseite anders gestaltet. Der Leser blättert, findet keinen Anker und legt das Heft weg. Gutes Editorial Design macht das Gegenteil: Es zeigt auf jeder Seite sofort, worum es geht, und lädt zum Weiterlesen ein.
Die fünf Bausteine
1. Das Raster
Ein Raster aus Spalten, Rändern und festen Abständen ist das unsichtbare Gerüst. Alles richtet sich daran aus: Text, Bilder, Bildtexte, Seitenzahlen. Das Ergebnis wirkt ruhig, auch wenn die Seiten sehr unterschiedlich gefüllt sind. Und eine spätere Ausgabe oder ein Nachtrag lässt sich im selben Stil gestalten.
2. Die Hierarchie
Der Leser muss auf einen Blick sehen, was wichtig ist: Überschrift, Vorspann, Zwischenüberschriften, Text, Bildunterschrift, Zitat. Jede Ebene hat ihre feste Schriftgröße und Stärke. Viele lesen eine Broschüre zuerst nur über Überschriften, Bilder und Bildtexte. Diese Ebene muss deshalb für sich allein schon die Geschichte erzählen. Mehr zur Schriftwahl im Artikel Typografie.
3. Der Weißraum
Leere Fläche ist nicht verschwendet. Sie gibt dem Auge Pausen, trennt Themen und lässt Wichtiges hervortreten. Eine Seite, auf der jeder Zentimeter gefüllt ist, wirkt anstrengend und billig, egal wie gut der Inhalt ist. Wenn der Platz nicht reicht, ist meist der Text zu lang, nicht die Seite zu klein.
4. Die Bildsprache
Bilder entscheiden mit, ob jemand eine Seite liest. Wichtig ist eine einheitliche Linie: ähnliche Farbstimmung, ähnlicher Stil, echte Fotos aus Ihrem Betrieb statt austauschbarer Archivbilder. Ein großes, starkes Bild pro Doppelseite wirkt meist besser als sechs kleine. Und jedes Bild braucht eine ausreichende Auflösung für den Druck.
5. Die Dramaturgie
Eine Broschüre ist eine Abfolge. Der Umschlag weckt Interesse, die ersten Seiten sagen, worum es geht, der Mittelteil liefert Details, der Schluss sagt, was der Leser jetzt tun soll, mit Kontakt, Ansprechpartner oder QR-Code zur passenden Seite. Bei Katalogen kommen ein Inhaltsverzeichnis, ein Register oder Farbleitsysteme dazu, damit man schnell findet, was man sucht. Wie Sie QR-Codes sinnvoll einsetzen, steht im Artikel QR-Codes in der Werbung.
Broschüre, Katalog, Magazin: die Unterschiede
- Imagebroschüre: stellt den Betrieb vor, lebt von Bildern und kurzen Texten, wird oft von vorne nach hinten durchgeblättert.
- Katalog: wird zum Nachschlagen benutzt. Ordnung, Wiederholung und schnelles Finden sind wichtiger als Abwechslung.
- Magazin oder Kundenzeitung: erscheint regelmäßig. Ein festes Gestaltungssystem spart bei jeder Ausgabe Arbeit und sorgt für Wiedererkennung.
- Jahres- oder Geschäftsbericht: verbindet Text, Zahlen und Grafiken. Tabellen und Diagramme brauchen eine eigene, klare Gestaltung.
Vor dem Druck klären
- Format und Bindung: Bei der häufigen Rückstichheftung, also mit Klammern im Falz, muss die Seitenzahl durch vier teilbar sein, weil jeder gefaltete Bogen vier Seiten ergibt. Dicke Kataloge brauchen eine andere Bindung, die wiederum Platz im Bund verlangt.
- Papier: Gestrichenes Papier lässt Bilder brillanter wirken, ungestrichenes Papier fühlt sich natürlicher an und ist leichter zu beschreiben. Ein Papiermuster vorab hilft bei der Entscheidung.
- Druckdaten: Beschnittzugabe, Bildauflösung, Farbprofil und eingebettete Schriften nach den Vorgaben der Druckerei.
- Digitale Fassung: Die Broschüre wird oft auch als PDF verschickt oder auf der Website angeboten. Dafür lohnt eine eigene, leichtere Datei.
Ein Beispiel
Der Fall ist konstruiert, aber typisch. Ein Tischlereibetrieb will eine Broschüre für Messe und Schauraum. Der erste Entwurf aus dem Büro hat 20 Seiten, jede voll mit Text über Materialien und Maschinen. Die überarbeitete Fassung hat 12 Seiten: auf jeder Doppelseite ein großes Foto eines fertigen Projekts, eine Überschrift, die den Nutzen nennt, drei kurze Absätze und ein Bildtext mit den wichtigsten Fakten. Am Ende eine Seite mit Ablauf, Ansprechpartner und QR-Code zur Website. Weniger Text, mehr wird gelesen.
Aus unserer Sicht
Viele Betriebe unterschätzen, wie viel Gestaltung über den Erfolg einer Broschüre entscheidet, und überschätzen, wie viel Text Leser aufnehmen. Unser Rat: zuerst festlegen, was der Leser am Ende tun soll, dann den Umfang planen, dann schreiben, und erst danach gestalten. Editorial Design ist bei uns Teil des Grafik-Services, mehr dazu unter Leistungen. Passt die Broschüre zu einem neuen Erscheinungsbild, hilft der Artikel Was bringt ein Corporate Design?
Checkliste: Ihre Broschüre
- Ist klar, was der Leser am Ende tun soll?
- Erzählen Überschriften, Bilder und Bildtexte die Geschichte schon allein?
- Folgen alle Seiten demselben Raster?
- Gibt es genug Weißraum, oder ist jede Seite voll?
- Passen die Bilder zusammen, und sind sie druckfähig?
- Sind Bindung, Umfang und Papier mit der Druckerei abgestimmt?
- Gibt es eine leichte PDF-Fassung für E-Mail und Website?
Häufige Fragen
Was ist Editorial Design?
Editorial Design ist die Gestaltung von mehrseitigen Publikationen wie Broschüren, Katalogen, Magazinen, Mitarbeiterzeitungen oder Jahresberichten. Es ordnet Text, Bilder und Grafiken über viele Seiten so, dass sie leicht lesbar sind, einheitlich wirken und den Leser durch den Inhalt führen.
Was ist ein Gestaltungsraster?
Ein Raster ist ein unsichtbares System aus Spalten, Rändern und Abständen, an dem sich alle Elemente auf allen Seiten ausrichten. Es sorgt dafür, dass eine Publikation ruhig und geordnet wirkt, und macht es leichter, neue Seiten oder spätere Ausgaben im selben Stil zu gestalten.
Worauf muss ich bei der Seitenzahl einer Broschüre achten?
Bei der häufigen Rückstichheftung, also mit Klammern im Falz, muss die Seitenzahl durch vier teilbar sein, weil jeder gefaltete Bogen vier Seiten ergibt. Bei anderen Bindungen gelten andere Regeln. Klären Sie Bindung und Umfang deshalb früh mit der Druckerei, bevor das Layout steht.
Ihre Broschüre soll gelesen werden?
Wir planen Umfang, Aufbau und Gestaltung mit Ihnen, bevor gedruckt wird.
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