Infografiken: Komplexes einfach zeigen
Ein Ablauf in sieben Schritten, ein Vergleich von drei Materialien, eine Entwicklung über zehn Jahre: In Textform liest das kaum jemand zu Ende. Als Grafik versteht man es oft auf einen Blick. Vorausgesetzt, die Grafik ist gut gemacht.
17.10.2026 · 4 Min. Lesezeit
Kurz gesagt: Eine Infografik macht Abläufe, Vergleiche, Mengen und Zusammenhänge auf einen Blick verständlich. Sie lohnt sich, wenn die Aussage eine Form hat, etwa eine Reihenfolge, einen Unterschied oder eine Entwicklung. Gute Infografiken zeigen genau eine Kernaussage, wählen die passende Darstellungsform, beschriften direkt statt mit Legende, und funktionieren auch ohne Farbe und mit Textalternative.
Infografiken sind ein Teilgebiet des Grafikdesigns, mehr zum Gesamtbild im Artikel Grafikdesign vom Profi. Stand: Oktober 2026.
Wann eine Grafik mehr sagt als Text
Nicht jeder Inhalt wird durch eine Grafik besser. Eine gute Faustregel: Hat die Aussage eine Form, lässt sie sich zeigen.
- Abläufe: vom ersten Gespräch bis zur Montage, in fünf Schritten.
- Vergleiche: drei Materialien, drei Pakete, vorher und nachher.
- Mengen und Anteile: wie sich etwas zusammensetzt.
- Entwicklungen: wie sich etwas über die Zeit verändert hat.
- Aufbau: aus welchen Schichten ein Produkt besteht, wo welches Teil sitzt.
- Orte: Einzugsgebiet, Standorte, Anfahrt.
Für Begründungen, Abwägungen und Ausnahmen bleibt Text besser. Und wer exakte Werte nachschlagen will, ist mit einer Tabelle oft besser bedient als mit einem Diagramm.
Die passende Form wählen
- Balken für Vergleiche zwischen Kategorien. Das Auge vergleicht Längen sehr zuverlässig.
- Linien für Entwicklungen über die Zeit.
- Kreis oder Ring für Anteile an einem Ganzen, aber nur bei wenigen Teilen. Ab etwa fünf Stücken werden die Unterschiede schwer lesbar, dann sind Balken besser.
- Schrittfolge oder Flussdiagramm für Abläufe und Entscheidungen.
- Beschriftete Darstellung für Aufbau und Bestandteile, etwa ein Schnitt durch eine Folie oder ein Fahrzeug mit markierten Flächen.
- Karte für alles mit Ortsbezug.
Fünf Regeln für verständliche Infografiken
- Eine Kernaussage. Was soll der Betrachter in drei Sekunden verstehen? Diese Aussage gehört als Titel über die Grafik, nicht nur „Umsatz 2016 bis 2026“, sondern zum Beispiel „Der Umsatz hat sich seit 2016 verdoppelt“.
- Weglassen. Rahmen, Schatten, 3D-Effekte, Hilfslinien und Dekoration lenken ab. Was nicht zur Aussage beiträgt, kommt weg.
- Direkt beschriften. Beschriftungen gehören an die Linie oder den Balken, nicht in eine Legende, zwischen der das Auge hin und her springen muss.
- Farbe gezielt einsetzen. Eine Akzentfarbe für das Wichtige, Grau für den Rest. Am besten in den Farben Ihres Erscheinungsbilds.
- Ehrlich darstellen. Achsen, die nicht bei null beginnen, verzerrte Flächen oder ausgewählte Zeiträume können ein falsches Bild erzeugen. Eine Grafik, die übertreibt, kostet Vertrauen.
Barrierearm gestalten
Infografiken sollen alle verstehen, auch Menschen mit Sehschwäche oder Farbfehlsichtigkeit. Die Richtlinien für barrierefreie Websites, die WCAG, geben dafür drei gute Anhaltspunkte:
- Textalternative: Inhalte, die nicht Text sind, brauchen auf Websites eine Textalternative mit derselben Aussage (W3C: Nicht-Text-Inhalte). Bei einer Infografik heißt das: die Kernaussage und die wichtigsten Werte als Text, nicht nur „Diagramm“.
- Nicht nur Farbe: Farbe darf nicht das einzige Mittel sein, um Informationen zu unterscheiden (W3C: Verwendung von Farbe). Ergänzen Sie Beschriftungen, Muster oder Formen, dann funktioniert die Grafik auch in Schwarz-Weiß.
- Kontrast: Grafikteile, die zum Verständnis nötig sind, brauchen mindestens 3 zu 1 Kontrast zur angrenzenden Farbe (W3C: Nicht-Text-Kontrast). Hellgrau auf Weiß reicht dafür meist nicht.
Für Text in der Grafik gelten dieselben Regeln wie für jeden Text, mehr dazu im Artikel Typografie.
Wo Infografiken im Betrieb helfen
- Auf der Website: der Ablauf eines Auftrags, ein Materialvergleich, ein Einzugsgebiet.
- In Angeboten und Präsentationen: was im Paket enthalten ist, wie der Zeitplan aussieht.
- In Broschüren und Katalogen: als Anker zwischen Textseiten. Mehr dazu im Artikel Editorial Design.
- In sozialen Medien: eine klare Grafik mit einer Aussage, im passenden Format für den Kanal.
- Im Raum: auf Messeständen, Schautafeln oder im Schauraum, wo man aus der Entfernung und im Vorbeigehen liest.
Ein Beispiel
Der Fall ist konstruiert, aber typisch. Ein Betrieb erklärt auf seiner Website in einem langen Absatz, wie ein Auftrag abläuft: Anfrage, Besichtigung, Angebot, Freigabe, Fertigung, Montage, Nachkontrolle. Kaum jemand liest ihn bis zum Ende, und am Telefon kommen immer dieselben Fragen. Ersetzt wird er durch eine waagrechte Schrittfolge mit sieben nummerierten Stationen, je einem Symbol und einer Zeile Text. Am Handy steht dieselbe Folge senkrecht. Darunter bleibt ein kurzer Text für Details. Der Ablauf ist jetzt auf einen Blick klar.
Aus unserer Sicht
Die häufigste Schwäche von Infografiken ist nicht die Gestaltung, sondern das Fehlen einer klaren Aussage. Bevor wir eine Grafik gestalten, fragen wir deshalb: Was soll der Betrachter danach wissen? Dann wählen wir die Form, und erst zum Schluss Farben und Details. Infografiken gehören bei uns zum Grafik-Service, mehr dazu unter Leistungen. Damit Grafiken zum übrigen Auftritt passen, hilft ein einheitliches Erscheinungsbild, siehe Corporate Design & Logo.
Checkliste: Ihre Infografik
- Hat die Grafik genau eine Kernaussage, und steht sie im Titel?
- Passt die Form zu den Daten: Balken, Linie, Kreis, Ablauf, Karte?
- Ist alles Überflüssige weggelassen?
- Sind die Werte direkt beschriftet?
- Funktioniert die Grafik auch ohne Farbe?
- Ist der Kontrast ausreichend?
- Gibt es auf der Website eine Textalternative mit der Kernaussage?
- Ist die Darstellung ehrlich, ohne verzerrte Achsen?
Häufige Fragen
Wann lohnt sich eine Infografik statt Text?
Wenn es um Abläufe, Vergleiche, Mengen, Entwicklungen über die Zeit oder räumliche Zusammenhänge geht. Für Argumente, Begründungen und Nuancen bleibt Text besser. Für exakte Werte zum Nachschlagen ist oft eine Tabelle die bessere Wahl.
Welche Art von Grafik passt zu welchen Daten?
Für Vergleiche eignen sich Balken, für Entwicklungen über die Zeit Linien, für Anteile an einem Ganzen, wenn es nur wenige sind, ein Kreis- oder Ringdiagramm. Abläufe zeigt man als Schrittfolge oder Flussdiagramm, Orte auf einer Karte und Aufbau oder Bestandteile als beschriftete Darstellung.
Wie mache ich eine Infografik barrierearm?
Geben Sie auf Websites eine Textalternative an, die das Wesentliche der Grafik wiedergibt. Verwenden Sie Farbe nicht als einziges Unterscheidungsmerkmal, sondern ergänzen Sie Beschriftungen oder Muster. Und achten Sie auf genug Kontrast: Die WCAG verlangen für Grafikteile, die zum Verständnis nötig sind, mindestens 3 zu 1 gegenüber der Umgebung.
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