Marketing selber machen oder Agentur? Eine ehrliche Entscheidungshilfe
Diese Frage stellen uns Betriebe oft, und die ehrliche Antwort lautet nicht immer „Agentur“. Vieles können kleine Betriebe gut selbst. Hilfe lohnt sich dort, wo Wissen, Zeit oder Abstand fehlen.
16.10.2026 · 6 Min. Lesezeit
Kurz gesagt: Selber machen lohnt sich, wenn Zeit und Regelmäßigkeit da sind, etwa für Google-Profil, Bewertungen und Social Media. Hilfe lohnt sich bei Strategie, Gestaltung, Website und allem, was sonst liegen bleibt. Oft ist die Mischung richtig. Egal, wie Sie sich entscheiden: Die Zugänge zu Profilen und Konten sollten bei Ihnen bleiben.
Wir sind selbst ein Dienstleister für Marketing, also nicht ganz unparteiisch. Darum versuchen wir hier ehrlich zu sagen, was Sie gut selbst können. Grundlage sind eigene Erfahrung, Hinweise von Google und der Pitch-Ratgeber des WKO-Fachverbands Werbung, Stand Oktober 2026.
Was Sie gut selbst machen können
- Google Unternehmensprofil pflegen: Öffnungszeiten, Fotos, Beiträge, Antworten auf Bewertungen. Das kostet nichts und wirkt lokal oft am stärksten. Wie es geht, steht im Artikel Google Unternehmensprofil erstellen und pflegen.
- Bewertungen beantworten: Niemand kennt den Auftrag besser als Sie. Tipps im Artikel Negative Google-Bewertung.
- Fotos und kurze Beiträge: Was im Betrieb passiert, sehen Sie zuerst.
- Kunden fragen: „Wie sind Sie auf uns gekommen?“ ist die wertvollste Marketingzahl, und nur Sie können sie erheben.
- Search Console im Blick behalten: einmal im Monat, mit der Anleitung Google Search Console einrichten.
Was diese Aufgaben gemeinsam haben: Sie brauchen wenig Fachwissen, aber Regelmäßigkeit und Nähe zum Betrieb.
Wo Hilfe sich meist lohnt
- Strategie: Wer ist die Zielgruppe, was unterscheidet Sie, welche Kanäle passen? Von außen sieht man das oft klarer als von innen. Mehr dazu im Artikel Marketingstrategie entwickeln.
- Gestaltung: Logo, Farben, Schrift, also ein Erscheinungsbild, das auf Website, Schild und Fahrzeug gleich aussieht.
- Website: Technik, Aufbau, Texte und Auffindbarkeit. Fehler sind hier teuer, weil sie lange wirken.
- Größere Kampagnen: wenn mehrere Kanäle gleichzeitig laufen und zusammenpassen müssen.
- Alles, was liegen bleibt: Wenn der Instagram-Kanal seit Monaten still ist, hilft es manchmal mehr, die Aufgabe abzugeben, als sich vorzunehmen, es „bald“ zu machen.
Google formuliert es für Suchmaschinenoptimierung so: Ein Dienstleister kann Zeit sparen und die Sichtbarkeit verbessern, birgt aber auch Risiken. Der beste Zeitpunkt, ihn einzubinden, ist, wenn man einen Umbau der Website plant, je früher, desto besser (Google Search Central: Brauche ich einen SEO?).
Die Mischung: oft die beste Lösung
In der Praxis funktioniert bei kleinen Betrieben oft eine Aufteilung: Die Grundlagen, also Strategie, Erscheinungsbild und Website, entstehen mit Hilfe. Die laufende Pflege, also Profil, Bewertungen, Fotos, macht der Betrieb selbst, mit einem festen Termin pro Woche. Einmal im Quartal schaut jemand von außen darauf: Was hat funktioniert, was nicht?
Fragen, die Sie einer Agentur stellen sollten
Google nennt Fragen, die man einem SEO-Dienstleister stellen sollte, und sie passen für jede Marketing-Agentur:
- Haben Sie Referenzen, die Sie mir zeigen können?
- Welche Ergebnisse erwarten Sie in welchem Zeitraum, und wie messen Sie Erfolg?
- Welche Erfahrung haben Sie in meiner Branche und in meiner Region?
- Wie lange sind Sie schon im Geschäft?
- Wie läuft die Kommunikation, und informieren Sie mich über alle Änderungen an meiner Website?
Und ein klares Warnsignal: Laut Google kann niemand einen ersten Platz in den Suchergebnissen garantieren. Wer das verspricht oder eine „besondere Beziehung zu Google“ behauptet, ist mit Vorsicht zu genießen. Google betont außerdem, dass Sie als Auftraggeber letztlich für das verantwortlich sind, was die beauftragte Firma tut.
Das Briefing: die wichtigste Seite Papier
Der Pitch-Ratgeber des WKO-Fachverbands Werbung und Marktkommunikation nennt das Briefing die verbindliche und wichtigste Grundlage der Aufgabenstellung. Für kleine Aufträge reicht eine Seite: Wer sind Sie, was ist das Ziel, wer ist die Zielgruppe, welches Budget, bis wann? Wer mehrere Agenturen vergleicht, sollte laut Ratgeber nicht mehr als drei einladen, und wer eine ausgearbeitete Präsentation verlangt, sollte sie bezahlen. Die Rechte an den präsentierten Ideen gehen dadurch in der Regel nicht über (WKO: Pitch-Ratgeber, PDF).
Die Zugänge bleiben bei Ihnen
Das ist der Punkt, den wir am wichtigsten finden, weil er am häufigsten schiefgeht. Agenturen kommen und gehen, Ihre Profile sollen bleiben.
- Google Unternehmensprofil: Der Inhaber hat die volle Kontrolle, Administratoren können zum Beispiel keine Nutzer verwalten und das Profil nicht löschen (Unternehmensprofil-Hilfe: Nutzer und Rollen). Bleiben Sie primärer Inhaber, die Agentur wird Administrator.
- Search Console: Nur Inhaber können Berechtigungen anderer ändern (Search-Console-Hilfe: Berechtigungen). Google rät, einem Dienstleister für eine erste Prüfung nur Lesezugriff zu geben.
- Social Media, Domain, Website-Hosting: Auch hier sollte das Konto auf den Betrieb laufen, mit mindestens einer zweiten Person aus dem Betrieb als Admin.
- Dateien: Lassen Sie sich Logo und Gestaltungen in offenen Formaten übergeben, und klären Sie vorab, wem Texte, Fotos und Entwürfe gehören.
Förderungen: kurz vor dem Ende prüfen
Für Beratung zu Digitalisierung und Online-Marketing gab es in Österreich das Programm KMU.DIGITAL. Laut WKO konnten 2026 wieder Anträge gestellt werden, mit bis zu 3.000 Euro Zuschuss im Modul Beratung (WKO Kärnten: KMU.DIGITAL 2026). Das Programm endet laut WKO mit 2026 und wird ab 2027 nicht fortgeführt (WKO Steiermark: FAQ). Ob noch Mittel verfügbar sind und welche Landesprogramme es gibt, erfahren Sie bei Ihrer Wirtschaftskammer.
Eine Elektrikerin teilt auf
Der Fall ist konstruiert, aber typisch. Eine Elektrikerin mit vier Mitarbeitenden hat eine alte Website, ein halb gepflegtes Google-Profil und ein Instagram-Konto mit drei Beiträgen. Sie lässt Logo, Website und Fahrzeugbeschriftung neu gestalten, mit einer klaren Seite pro Leistung. Das Google-Profil richtet die Agentur mit ihr gemeinsam ein, Inhaberin bleibt sie. Danach übernimmt sie selbst: Jeden Freitag zwei Fotos ins Profil, Bewertungen beantwortet sie am selben Tag. Instagram lässt sie bewusst ruhen. Einmal im Quartal sieht sie sich mit der Agentur die Zahlen an.
Aus unserer Sicht
Wir übernehmen gern, was bei Ihnen liegen bleibt. Aber wir raten nicht dazu, alles abzugeben: Niemand erzählt so glaubwürdig aus Ihrem Betrieb wie Sie selbst. Gute Zusammenarbeit heißt für uns, dass Sie nach einem Projekt mehr selbst können als vorher, und dass alle Zugänge bei Ihnen liegen. Was wir anbieten, steht auf unserer Seite Marketing & Leadgewinnung, wie das Ganze zusammenhängt, im Überblick Marketing für kleine Unternehmen.
Checkliste
- Welche Aufgaben brauchen vor allem Regelmäßigkeit, welche Fachwissen?
- Wie viel Zeit pro Woche können Sie oder jemand im Betrieb wirklich einplanen?
- Hat die Agentur Referenzen, nennt sie realistische Ziele, und verzichtet sie auf Garantien?
- Gibt es ein Briefing auf einer Seite?
- Sind Sie Inhaber aller Profile und Konten, mit einer zweiten Person als Admin?
- Ist geklärt, wem Texte, Bilder und Entwürfe gehören?
Häufige Fragen
Kann man Marketing als kleiner Betrieb selber machen?
Vieles ja: das Google Unternehmensprofil pflegen, Bewertungen beantworten, Fotos posten, Kunden fragen, wie sie auf einen gekommen sind. Was es braucht, sind Zeit und Regelmäßigkeit. Hilfe lohnt sich meist bei Strategie, Gestaltung, Website und Texten, also dort, wo Fachwissen und Abstand zum eigenen Betrieb fehlen.
Woran erkenne ich eine seriöse Marketing-Agentur?
Sie zeigt Referenzen, erklärt, welche Ergebnisse sie in welchem Zeitraum erwartet und wie sie Erfolg misst, und informiert Sie über alle Änderungen an Ihrer Website. Vorsicht bei Garantien: Laut Google kann niemand einen ersten Platz in den Suchergebnissen garantieren.
Was muss ich bei der Zusammenarbeit mit einer Agentur beachten?
Die Zugänge sollten bei Ihnen bleiben. Bleiben Sie selbst Inhaber von Google Unternehmensprofil, Search Console, Social-Media-Konten und Domain, und geben Sie der Agentur nur die Rechte, die sie braucht. Klären Sie außerdem vorab, wem Texte, Bilder und Gestaltungen gehören.
Selber machen oder abgeben?
Wir sehen uns Ihren Auftritt an und empfehlen Ihnen eine Aufteilung, die zu Ihrer Zeit und Ihrem Budget passt.
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